Forderunterricht

Forderunterricht in der Wäldchenschule – wieso, weshalb, warum?

Seit über zwei Jahren nehmen Kinder aus allen Jahrgängen an den Forderstunden teil. Wir verstehen es als ergänzendes Angebot. Genauso wie Schülerinnen und Schüler Förderungen in Deutsch, Mathe oder Sport benötigen, gibt es Kinder die mehr Herausforderungen brauchen.

Der Forderunterricht findet im Computerraum statt. Zum Kennenlernen wurden einige Knobelspiele angeschafft und auch ein Schachbrett darf genutzt werden. Neues Kind: „Cool, Ihr habt auch Schach.“ Als Einstieg dient uns häufig „Geistesblitz“, das es in zwei Schwierigkeitsstufen gibt. „Du bist ja schneller als ich!“ – das ist ein anerkennender Ausruf eines Schülers, der wohl in seiner Klasse keine echten „Gegner“ gefunden hatte. (Eine wichtige Erfahrung, nicht immer der Schlauste und Schnellste zu sein!)

Einigen Kindern unserer Schule wollen wir mit dem Forder ermöglichen, Kinder mit vergleichbarer Befähigung, ähnlichen Interessen oder Ausdauer begegnen zu können und sich so als normal zu empfinden. Das unterstützt in hohem Maße die Persönlichkeitsentwicklung. Häufig fallen Kinder auf, weil sie immer so viele Fragen haben, um die Ecke denken und es häufig komplizierter haben wollen als es ist – das sind häufig Schülerinnen und Schüler für den Forder. Gute oder sehr gute Noten spielen keine Rolle, oder sehr gute Konzentration – die kommt häufig von allein, sobald die Herausforderung gefunden ist. (… und später einfacher auf „normale“ Themen übertragbar.)

Je nach Alter, Gruppe und Interesse werden verschiedene Bereiche mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet. Im vergangenen Jahr haben die Kinder lange an Präsentationen gearbeitet. Dazu haben sie gelernt ein Präsentationsprogramm zu bedienen, Fotos und Texte im Internet zu finden und sinnvolle Folien zu gestalten. Sie haben gelernt eigene Wege zu entdecken, Rückschläge auszuhalten und beim selbst gewählten Thema zu bleiben. Am Ende wurden die Ergebnisse im Forder, in der Klasse oder von einigen ganz mutigen Kindern sogar vor der ganzen Schule bei einer Vollversammlung vorgestellt.

Ein weiteres großes Projekt war die Arbeit mit Scratch. Die Kinder konnten entdecken, wie erste Funktionen sinnvoll verknüpft werden können. Geräusche und Bewegungen wurden kombiniert, Autios aufgenommen und abgespielt, Hintergründe gestaltet – kurz es kamen erstaunliche Animationen am Ende heraus.

Zwischendrin wird gebastelt und erzählt. Zum Teil tiefgründige Gespräche finden statt, ohne Scheu. Ein Mädchen: „Ich habe schon mal eine Klasse übersprungen, das mache ich auch noch mal. Das dauert alles so lange.“ – Ein wichtiger Satz für Kinder, die gerade in einer höheren Klasse hospitieren. Das bringt mit einem Satz mehr Selbstverständlichkeit als Eltern und Lehrer herbei reden können. 

Ein anderes Projekt haben wir für die ganze Schule veranstaltet. Keith Haring gleich, haben wir Tonpappen aufgehängt und während des Unterrichtes heimlich bemalt. Das hat für Gespräche weit über den Forderkreis hinaus gesorgt. Lob und Anerkennung haben die Kinder erhalten.

Auch jetzt kommen wieder tolle Ideen und Impulse von den teilnehmenden Kindern. Wichtig für diese kreative Arbeit ist uns, dass wir neben den Computern, Beamer und Leinwand auch ausreichend Platz für Arbeiten am Tisch haben. In der Weihnachtzeit basteln wir auch gern.

Für einen effektiven Ablauf haben wir uns für Kleingruppen entschieden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es bei einer zu großen Gruppe nicht sinnvoll ist.

 

Claudia Völkening

 

Begabungspsychologische Beraterin

ECHA-coach; specialist in coaching the gifted

Marburger Konzentrationstrainerin